Das Tanklager Farge als Wärmespeicherkraftwerk?

Zugegeben als ich den Artikel diese Woche in der BLV gelesen habe, war mein erster Gedanke „Was soll der Schwachsinn? Wo bekommt man in Farge die 500 Megawatt Wärmeenergie her um die 50 Megawatt elektrische Energie zu erzeugen?“ Bei dieser Art von Niedertemperatur-Kraftwerken geht man im Allgemeinen von einem Wirkungsgrad von ca. 10% bei einer Arbeitstemperatur von unter 100 Grad aus.
Also gehen wir mal erst der Frage der Wärmequelle nach… Da gäbe es mehrere Möglichkeiten.

  1. Eine Tiefbohrung um die Wärme aus dem Boden zu holen. Entfällt, da das nichts mit Speichern zu tun hat.
  2. Ein großes Sonnenkollektorfeld. Entfällt, in unseren Breitengraden ist der Wärmeeintrag der Sonne allenfalls im Sommer ausreichend. Das bedeutet kein 24 Stunden 365 Tage Betrieb ist möglich.
  3. Ein mögliches Scenario als direkte Wärmequelle wäre das Kolumbianische Steinkohlekraftwerk Farge der GDF Suez. Das Kraftwerk produziert bei 40% Wirkungsgrad und einer elektrischen Leistung von 380 Megawatt ca. 570 Megawatt Abwärme für die Weser. Auf Grund der relativen räumlichen Nähe wäre eine Kühlwasserdurchleitung durch die Tanks denkbar. Ok, damit könnte man den Gesamtwirkungsgrad des Kraftwerks erhöhen. Dagegen spricht, dass das Kraftwerk jetzt schon Probleme hat im Elbe-Weser-Raum den Strom abzusetzen. Da wären zusätzliche Kapazitäten von 50 Megawatt kaum an den Verbraucher zu bringen. Zudem wäre eine solche Verlustwärmenutzung direkt am Standort des Kraftwerkes effizienter.
  4. Nun kommen wir zu dem Scenario bei dem jedem Investor das Wasser im Mund zusammenläuft. Es werden in die Tanks elektrische „Tauchsieder“ eingebaut mit denen Wasser erhitzt werden kann. Die Anlage wird dann als Regelenergieanlage angemeldet. Was zum Henker ist Regelenergie?? Bei Strom ist es nun mal so, dass Angebot und Nachfrage zu jedem Zeitpunkt gleich sein muss. Da kann auch der Bundestag kein neues physikalisches Gesetz beschließen. Selbst wenn er will. Der Mechanismus, der die Waage zwischen Angebot und Nachfrage herstellt nennt man Regelenergie. Diese Regelenergie ist kostbar und wird mit dem x-fachen des normalen Strompreises bezahlt. Wenn ein Überangebot von Strom da ist, wird der Strom mehr oder weniger sinn frei mittels negativer Regelenergie verbraten. Tauchsieder wären schon mal eine gute Idee für eine Sinnfreiheit. Muss eine Nachfragespitze bedient werden spricht man von positiver Regelenergie. Für beide Arten bekommt man gutes Geld. Das sich das nicht sonderlich auf den Strompreis auswirkt liegt bisher an der Tatsache, dass die Regelenergie für Minutenzeiträume bei den großen Laständerungen zu den vollen Börsenhandelsstunden von den Netzbetreibern angefordert wird.

Weiter erschließt sich mir nicht, warum ein Rückbau mit 500 Mio doppelt so teuer wie ein Umbau sein sollte. Also in den 250 Mio für den Umbau müssen die Reinigung der Tanks und die Bodensanierung enthalten sein. Den Rückbau eines von Altlasten befreiten Tanklagers übernimmt zur Not die Natur zum Nulltarif selbst. Aber vielleicht findet sich da auch ein Altmetallverwerter diesen Job zu Nulltarifkonditionen zu übernehmen.
Aber gut, sinnfreie Projekte haben in Bremen Tradition, warum nicht einmal ein „Weltweit einmalig sinnfreies Projekt“


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